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Interview mit Autorin Angelika Lauriel

Interview mit Autorin Angelika Lauriel

»Die Zeit schmilzt weg. Aber das Vorhaben steht: Wieder regelmäßig mit dem Hund in den Wald. Sobald es klappt. Ehrlich.«

Ein Beitrag aus der Serie:

»Eine Autorin
ist auch nur ein Mensch«

Interviews mit Lieblingskolleginnen.

Natürlich ist das meiste, was wir schreiben, frei erfunden. Unser Privatleben hat damit nichts zu tun.
Eigentlich.

Aber zugleich sind Autorinnen immer auch Leserinnen, Rumreiserinnen, Spaziergängerinnen, Träumerinnen … Und vielleicht prägt das, was uns dabei verzaubert, unsere Geschichten doch viel mehr, als wir es ahnen?

Ich habe nachgefragt.

Heute: Laura Albers, vielen bekannt als Angelika Lauriel

portrait

© Claudia Toman, Traumstoff

Heike: „Geschmack ändert sich permanent, und die Dinge, wir früher mochten, hatten irgendwann mal eine große Bedeutung für uns. Verrätst du, wie die erste Platte heißt, die du selbst gekauft hast? Welcher Film bei deinem ersten Kinobesuch lief? Und was dein allererstes Lieblingsbuch war? Was davon hat nachhaltigen Eindruck bei dir hinterlassen?“

Angelika: „Das erste Album, das ich mir als LP gekauft habe, war 4630 Bochum von Herbert Grönemeyer im Jahr 1984. Meine ältere Schwester besaß viel mehr Platten als ich, und wir haben uns ein Zimmer geteilt. Als Grönemeyer-Fan stand ich ziemlich alleine da, aber mich hat das Rotzige, Ehrliche und Authentische an ihm fasziniert. Damals sang er auch noch nicht so gepresst wie später :). Ansonsten habe ich damals Musik, die mir gefiel, aus dem Radio auf Musicassetten mitgeschnitten. *lach* Und nun muss ich mich outen: Ich war nie, nie, nie ABBA-Fan. *duck*

An den ersten Kinobesuch kann ich mich nicht wirklich erinnern, aber einer der frühen war Grease. Und Der weiße Hai. Und Marie Ward – Zwischen Galgen und Glorie. Den habe ich 1985 mit meiner Mutter angeschaut, und er hat mich sehr beeindruckt.

Mein allererstes Lieblingsbuch war Das Buch der kleinen Leute, ein sehr früher Sammelband mit Fantasy-Geschichten, die mir meine Mutter zuerst vorgelesen hat und die ich dann selbst las, sobald ich es konnte. Dann natürlich Tolkiens Herr der Ringe, Hans Bemmanns Stein und Flöte. Später hat mich John Irving sehr beeindruckt (v. a. Gottes Werk und Teufels Beitrag), aber auch Hermann Hesse (v .a. Siddartha und Das Glasperlenspiel: wie aktuell!), aktuell Markus Zusaks Bücherdiebin, noch aktueller: Nina Georges Mondspielerin und Das Lavendelzimmer.

Was Musik angeht, liebe ich nach wie vor das Pure: eine gute Stimme (z. B. Paul Weller, aber auch Adele, Amy Winehouse), dazu eine Gitarre, ein Klavier, mehr braucht es nicht. Natürlich hört man da jeden kleinen Patzer, aber das ist die Art Musik, die ich auf langen Autofahrten höre. Ich schätze, am meisten mag ich Musik, die vom Brit Pop beeinflusst ist, obwohl ich gestehen muss, dass ich nie ein Beatles-Fan war. Deutsch-Rock mag ich ebenfalls, aber es darf kein Hauch von Kitsch oder Schlagermusik enthalten sein.

Was Musik angeht, habe ich einen breitgefächerten Geschmack, aber leider gibt es auch Dinge, für die ich eine Nulltoleranzschwelle habe. Dazu gehören deutsche Schlager (aus allen Zeiten) und Blasmusik.“

Heike: „Als Autorinnen verbringen wir alle viel Arbeitszeit im Sitzen – ganz egal, ob wir den eigenen Schreibtisch bevorzugen oder das Laptop mit ins Café nehmen. Wie bringst du als Ausgleich ein bisschen Bewegung in dein Leben? Welche Sportart hast du als ‚deine‘ entdeckt? Und was magst du daran?“

Angelika: „Mein Sport wäre Tanzen. Ist es aber nicht aus Mangel an einem Tanzpartner. Dafür würde ich jedenfalls auch mal ein Manuskript liegen lassen. Für keinen anderen Sport lasse ich ein Manuskript liegen. So kommt es (leider), dass ich fast nichts tue. Mit schlechtem Gewissen und in dem Bewusstsein, dass mein Körper mir das früher oder später unter die Nase reiben wird. Früher habe ich Tanzgymnastik gemacht, Aerobic, Step Aerobic, Kickboxen usw. Danach gab es eine längere Zeit, in der ich wenigstens regelmäßig mit dem Hund Wanderungen unternommen habe. Das hat aufgehört, als die Jury-Arbeit in mein Leben kam. Und der Zweitjob als Lehrerin für Deutsch als Zweitsprache. Die Zeit schmilzt weg, und die zwei Stunden für die Hunderunde haben sich am Ende des Tages einfach in Luft aufgelöst. Aber das Vorhaben steht: Wieder regelmäßig mit dem Hund in den Wald. Sobald es klappt. Ehrlich. 🙂 “

Heike: „Es gibt viele schöne Orte. In Städten, in Dörfern, mitten in der Natur. Aber nur an ganz bestimmten geht einem das Herz auf. Wie sieht der Ort aus, der so schön ist, dass du am liebsten weinen möchtest?“

Angelika: „Das ist mir im letzten Sommerurlaub in Island passiert. Der Ort, der mich zum Weinen bringt, ist nahezu menschenleer und ohne menschliche Ansiedlungen. Er ist schroff und zugleich samtig, hügelig und mit Blumeninseln. Himmel, Wasser, Weite. Grün, Blau, Grau. Und die Sonne. Und Wolken.“

Magisch schönes Island. © privat

 

Heike: „Hin und wieder sind Autorinnen ja auch on Tour. Zum Beispiel zu Lesungen, zu Verlagsbesuchen oder zur Buchmesse. Wie reist du am liebsten? Fliegst du? Fährst du mit dem Auto? Nimmst du die Bahn? Und was magst du an dieser Art, unterwegs zu sein?“

Angelika: „Ich nehme meine alte Dame Minnie. Das ist ein neun Jahre alter Mini in rot mit schwarzen Streifen auf der Motorhaube und der Kofferraumklappe. Es ist ein Auto, in dem ich mich geborgen und sicher fühle. Minnie hat mich noch nie im Stich gelassen, obwohl sie in Ehrfurcht vor der eigenen Leistung erst neulich nach einer Reise von über 1200 km am Ende in die Knie gegangen ist. Als müsste sie Atem holen, ist sie ausgegangen und ließ sich erst nach einer oder zwei Minuten wieder starten.Was ich daran liebe, ist die Wendigkeit und auch die Bereitschaft zu Kurzsprints, wenn nötig. Aber auch die Tatsache, dass ich stundenlang Hörbüchern lauschen kann.

Zugfahren wäre eine Alternative. Daran würde ich schätzen, schreiben oder lesen zu können. Allerdings ist es mir in den letzten Jahren zu oft passiert, dass ich nicht dann angekommen bin, wenn ich es wollte, sondern viel später, incl. Wartezeiten auf zugigen Bahnhöfen. Das Reisen mit der Deutschen Bahn ist deshalb keine Alternative mehr.“

Heike: „Wovon hast du als Kind geträumt? Was wolltest du werden? Wo wolltest du leben? Und wie?“

Angelika: „Ich wollte Tierärztin werden. Wo ich leben würde, spielte damals keine große Rolle. Aber ich wünschte mir eine Familie, die ich auch bekommen habe. Mein Traumland war immer Italien – wahrscheinlich, weil ich einen italienischen Onkel hatte. Unsere ‚zweite Heimat‘ ist dann tatsächlich die Toskana geworden, weil mein Mann ein Jahr und ich acht Monate dort gelebt haben. Wir sprechen die Sprache, wir haben die Mentalität kennengelernt, und das Land ist einfach traumhaft schön.“

Angelika im Jahr 1974. © privat


Heike: „Was sind die schönsten Orte, Räume oder Plätze, an denen du je gelesen, gegessen, geschlafen oder geschrieben hast?“

Angelika: „Diese Frage lässt sich kaum beantworten, weil sich in einem relativ langen Leben schon so viele wundervolle Orte angesammelt haben, die in meinem Herzen geblieben sind. Ich möchte auch keine herauspicken, weil die Liste sehr lang sein müsste.“

Heike: „Vielen Dank, liebe Angelika, für deine spannenden und inspirierenden Antworten! Und hier noch für meine Blogleserinnen und -leser ein kurzes Porträt von Angelika Lauriel aka Laura Albers und Infos über ihr neuestes Buch.“

Das Buch

Nach Frankreich der Liebe wegen! Schön wär’s, denkt Sophie. Ihre Motivation ist das genaue Gegenteil: Sie will weg von ihren Erinnerungen an eine gescheiterte Liebe, hin zur aufregenden Arbeit in den Galeries Jouvet in Metz. Nicht ganz unerwartet trifft sie in der lothringischen Metropole auf jemanden, den sie von früher kennt, nämlich ihren neuen Chef Yannis Jouvet. Mit seinem Charme bezaubert er Sophie, doch kann sie ihm vertrauen?

Ein familiärer Unglücksfall in ihrer Heimatstadt Aachen zwingt sie allerdings zu einer kurzen Heimreise. Als sie nach Metz zurückkehrt, hat sich Yannis verändert. Wo ist seine Unbeschwertheit hin? Sophies Freund Samir drängt sie daraufhin, ihr Leben und ihre Gefühle in die Hand zu nehmen. Notfalls muss sie Yannis dazu zwingen, Farbe zu bekennen. Doch dann erreicht sie ein unerwarteter Anruf und es zieht sie Hals über Kopf in Yannis‘ Heimat Saint-Tropez.

Wen wird Sophie am Ende küssen, und schmecken Küsse auf Französisch wirklich so gut, wie ihr Ruf es vermuten lässt?

Neuerscheinung: „Küssen auf Französisch“ von Laura Albers, dp Digital Publishers, Juli 2017.

Die Autorin

Laura Albers hat in Saarbrücken Übersetzen und Dolmetschen Englisch/Französisch studiert. Seit 2006 schreibt sie Romane. Neben der Liebe als Leitmotiv sind ihr Humor, Fantasie und gut gezeichnete Charaktere wichtig. Unter dem Pseudonym Angelika Lauriel veröffentlicht sie Kinder- und Jugendbücher sowie Krimikomödien und humorvolle Frauenromane bei mehreren Verlagen. Seit Sommer 2016 unterrichtet sie Deutsch als Zweitsprache an einer weiterführenden Schule. Außerdem übersetzt sie Bücher aus dem Englischen ins Deutsche.

In ihrer Freizeit spielt sie gelegentlich Theater in einer kleinen deutsch-französischen Gruppe. Außerdem singt sie in einem Kammerchor. 2017/18 ist sie zum zweiten Mal Jurymitglied für den DELIA-Liebesromanpreis, Sparte Jugendbuch. Die Autorin ist Mitglied der „Mörderischen Schwestern“, der „DELIA – Vereinigung zur Förderung deutschsprachiger Liebesromanliteratur“ und beim Autorenforum „Montsegur“.

Laura Albers lebt mit ihrer fünfköpfigen Familie und der charmanten französischen Bulldogge Banou im Saarland, von wo aus sie es nicht weit nach Frankreich hat. Eine alte Liebe der Autorin ist ihr Mini, der langsam in die Jahre kommt und sie zuverlässig zu Lesungsterminen und Autorentreffen bringt.

Foto: © Silke Aps

Interview mit Autorin Ursi Breidenbach

Interview mit Autorin Ursi Breidenbach

»Ich bin allgemein sehr anfällig für Rührung ob der Schönheit eines Ortes.«

Ein Beitrag aus der Serie:

»Eine Autorin
ist auch nur ein Mensch«

Interviews mit Lieblingskolleginnen.

Natürlich ist das meiste, was wir schreiben, frei erfunden. Unser Privatleben hat damit nichts zu tun.
Eigentlich.

Aber zugleich sind Autorinnen immer auch Leserinnen, Rumreiserinnen, Spaziergängerinnen, Träumerinnen … Und vielleicht prägt das, was uns dabei verzaubert, unsere Geschichten doch viel mehr, als wir es ahnen?

Ich habe nachgefragt.

Ursi Breidenbach. © privat

(c) privat

Heike: „Geschmack ändert sich permanent, und die Dinge, wir früher mochten, hatten irgendwann mal eine große Bedeutung für uns. Verrätst du, wie die erste Platte heißt, die du selbst gekauft hast? Welcher Film bei deinem ersten Kinobesuch lief? Und was dein allererstes Lieblingsbuch war? Was davon hat nachhaltigen Eindruck bei dir hinterlassen?“

Ursi: „Ich habe zwei ältere Schwestern, die meinen Geschmack in den frühen Jahren sehr geprägt haben. Was ihnen gefiel, erklärte ich automatisch zu meinen Vorlieben.

Mit dreizehn, vierzehn begann dann die Emanzipation. Ich gab Nachhilfestunden in Englisch, um mir einen HiFi-Turm leisten zu können. Eine der ersten CDs (an DIE erste erinnere ich mich nicht) – gekauft, ohne vorab die Schwestern zurate zu ziehen – war dann von REM.

Bei meinem ersten Kinobesuch (meine Schwestern mussten mich mitnehmen) habe ich ‚ET‘ gesehen. Das scheint keinen bleibenden Eindruck auf mich gemacht zu haben, denn ich bin keine Fantasy-Autorin geworden. 🙂

Mein allererstes Lieblingsbuch war ‚Moritz Huna Nasenriecher‘ von Mira Lobe. Die Geschichte über die Freundschaft eines Mädchens zum besonders riechbegabten Postboten Moritz Huna hat mich so beeindruckt, dass ich sie immer wieder gelesen habe. Um das zu verstehen, muss man wissen, dass ich selbst annähernd geruchsblind bin. Seit ich Autorin bin, denke ich darüber nach, einen Roman zu schreiben, in dem es um Gerüche und Geruchsblindheit geht. Zum absoluten Durchbruch bin ich mit meinen Überlegungen allerdings noch nicht gekommen.“

Heike: „Als Autorinnen verbringen wir alle viel Arbeitszeit im Sitzen – ganz egal, ob wir den eigenen Schreibtisch bevorzugen oder das Laptop mit ins Café nehmen. Wie bringst du als Ausgleich ein bisschen Bewegung in dein Leben? Welche Sportart hast du als ‚deine‘ entdeckt? Und was magst du daran?“

Ursi: „Ich habe ein Laufband in meinem Arbeitszimmer, das drei Mal in der Woche zum Einsatz kommt. Davor habe ich Walken und Schwimmen versucht, wobei der Enthusiasmus dafür jeweils nur ein Strohfeuer blieb.

Am Laufband liebe ich, dass ich nebenbei Serien anschauen kann. Zum Beispiel ‚Grand Hotel‘, eine Produktion aus Spanien, auf die du mich gebracht hast. Beim Anblick des schönen Julio vergesse ich, wie anstrengend der Sport gerade ist. 😉

Zusätzlich mache ich ein bis zwei Mal in der Woche ein Zirkeltraining mit Rückenübungen – nicht besonders lustig, aber bei Sitzberufen leider unumgänglich.“

Heike: „Es gibt viele schöne Orte. In Städten, in Dörfern, mitten in der Natur. Aber nur an ganz bestimmten geht einem das Herz auf. Wie sieht der Ort aus, der so schön ist, dass du am liebsten weinen möchtest?“

Ursi: „Den ‚ganz bestimmten` Ort, bei dessen Anblick ich weinen möchte, gibt es für mich nicht. Das sind nämlich total verschiedene Plätze – mal in der Natur, mal in einem Museum, wieder ein anderes Mal in einer Stadt. Ich bin allgemein sehr anfällig für Rührung ob der Schönheit eines Ortes.

Zuletzt ist es mir passiert, als ich weg vom grauen Februaralltag nach vielen Stunden Autofahrt bei Sonnenuntergang in Nizza am Strand ankam. Da dachte ich, ich müsse zu Boden sinken und heulen – so entrückend traumhaft war das.“

am strand

In Nizza am Strand. © privat

 

Heike: „Hin und wieder sind Autorinnen ja auch on Tour. Zum Beispiel zu Lesungen, zu Verlagsbesuchen oder zur Buchmesse. Wie reist du am liebsten? Fliegst du? Fährst du mit dem Auto? Nimmst du die Bahn? Und was magst du an dieser Art, unterwegs zu sein?“

Ursi: „Alle drei Möglichkeiten kommen vor. In entlegenere österreichische Orte bringt mich mein Auto, ansonsten fahre ich mit dem Zug. Weite Strecken nach Deutschland fliege ich.

Am liebsten ist mir dabei das Reisen mit der Bahn, weil ich da lesen oder arbeiten kann. Weniger sexy finde ich allerdings Verspätungen, außer Rand und Band geratene Klimaanlagen und bitteren Zugsespresso.“

Heike: „Wovon hast du als Kind geträumt? Was wolltest du werden? Wo wolltest du leben? Und wie?“

Ursi: „Am liebsten wollte ich Ballett-Tänzerin werden (ohne je eine Tanzstunde genommen zu haben) und wunderschöne Tutus tragen.“

Heike: „Was sind die schönsten Orte, Räume oder Plätze, an denen du je gelesen, gegessen, geschlafen oder geschrieben hast?“

Ursi: „Ich beschränke mich jetzt auf die Nennung dreier Orte, um hier den Rahmen nicht zu sprengen: das Hotel Miramar in Opatija, der Leopoldsteinersee in Eisenerz und meine Herzensstadt Wien.“

Heike: „Vielen Dank, liebe Ursi Breidenbach, für deine spannenden und inspirierenden Antworten! Und hier noch für meine Blogleserinnen und -leser ein kurzes Porträt von Ursi Breidenbach.“

Die Autorin

Ursi Breidenbach lebt in Österreich und München. Seit 2009 schreibt sie Romane und Kurzgeschichten, statt sich ihrem ursprünglichen Beruf als Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin zu widmen.

Als Autorin arbeitet sie derzeit für den EdenBooks Verlag, Berlin, und für Penguin, München

Mehr über Ursi Breidenbach:

Foto: © privat

Interview mit Autorin Leonie Lastella

Interview mit Autorin Leonie Lastella

»Ich genieße es, dass ich auf dem Rücken des Pferdes absolut den Kopf frei bekomme.«

Ein Beitrag aus der Serie:

»Eine Autorin
ist auch nur ein Mensch«

Interviews mit Lieblingskolleginnen.

 

Natürlich ist das meiste, was wir schreiben, frei erfunden. Unser Privatleben hat damit nichts zu tun.
Eigentlich.

Aber zugleich sind Autorinnen immer auch Leserinnen, Rumreiserinnen, Spaziergängerinnen, Träumerinnen … Und vielleicht prägt das, was uns dabei verzaubert, unsere Geschichten doch viel mehr, als wir es ahnen?

Ich habe nachgefragt.

portrait © Gaby Gerster
Heike: „Geschmack ändert sich permanent, und die Dinge, wir früher mochten, hatten irgendwann mal eine große Bedeutung für uns. Verrätst du, wie die erste Platte heißt, die du selbst gekauft hast? Welcher Film bei deinem ersten Kinobesuch lief? Und was dein allererstes Lieblingsbuch war? Was davon hat nachhaltigen Eindruck bei dir hinterlassen?“

Leonie: „Da muss ich mal ganz tief graben. Das ist schon eine ganze Weile her. Die erste Platte war ‚Keep the Faith‘ von Bon Jovi und mein Musikgeschmack ist nach wie vor sehr rocklastig. Bei meinem ersten Kinobesuch habe ich ‚Bodyguard‘ gesehen. Auch wenn es mir damals noch nicht bewusst war, war Kevin Costner der erste Typ, den ich nicht gut aussehend, aber dennoch überaus attraktiv fand. Ich glaube, da habe ich das erste Mal gemerkt, dass es auf den Charakter ankommt und die Ausstrahlung und eben nicht nur auf den Sixpack oder das perfekte Gesicht.

Mein allererstes Lieblingsbuch war ‚Friedhof der Kuscheltiere‘, und das nicht, weil mich der Horror gethrillt, sondern weil mich Stephen Kings Fähigkeit, Emotionen wachzurufen, quasi überrollt hat. Bei der Szene, wo der kleine Junge stirbt und die Trauer des Vaters greifbar wird, habe ich geweint wie ein Schlosshund. Tatsächlich hat mich dieses Buch dazu gebracht, dass ich selbst schreiben wollte.“

Heike: „Als Autorinnen verbringen wir alle viel Arbeitszeit im Sitzen – ganz egal, ob wir den eigenen Schreibtisch bevorzugen oder das Laptop mit ins Café nehmen. Wie bringst du als Ausgleich ein bisschen Bewegung in dein Leben? Welche Sportart hast du als ‚deine‘ entdeckt? Und was magst du daran?“
leonie

Hoch zu Ross – gute Laune garantiert. © privat

Leonie: „Bei mir sind das zwei Dinge. Mögen tue ich das Reiten. Ich reite, seitdem ich drei Jahre alt bin, und ich genieße es, dass ich auf dem Rücken des Pferdes absolut den Kopf frei bekomme und es ganz verlässlich meine Laue repariert. Nicht im eigentlichen Sinne mögen tue ich das Laufen. Ich finde es wichtig als Ausgleich zum vielen Sitzen, aber während ich am Deich entlangrenne und puste wie eine Dampflokomotive, frage ich mich ständig, warum ich mir das gerade antue. Das Gefühl danach ist aber wieder ganz schön, wenn der innere Schweinehund überwunden wurde.“

Heike: „Es gibt viele schöne Orte. In Städten, in Dörfern, mitten in der Natur. Aber nur an ganz bestimmten geht einem das Herz auf. Wie sieht der Ort aus, der so schön ist, dass du am liebsten weinen möchtest?“

Leonie: „Ich würde sagen, dass ich derer drei Orte habe. Die raue Nordseeküste – ich bin ein Nordlicht tief aus dem Herzen heraus. Die ligurische Küste Norditalienes – dort liegen so viele Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend und an das Gefühl der ersten großen Liebe. Und zuletzt Montana – you never really loved until you came to Big Skys Montana. Ein Herzensort durch und durch.“

Heike: „Hin und wieder sind Autorinnen ja auch on Tour. Zum Beispiel zu Lesungen, zu Verlagsbesuchen oder zur Buchmesse. Wie reist du am liebsten? Fliegst du? Fährst du mit dem Auto? Nimmst du die Bahn? Und was magst du an dieser Art, unterwegs zu sein?“

Leonie: „Am liebsten fahre ich mit dem Auto. Das liegt einfach daran, dass mir bei allen anderen Arten zu reisen ständig Katastrophen passieren. Ich verpasse Flugzeuge, Züge werden ausgesetzt oder verspäten sich und ich werde ausgeraubt. Außerdem fahre ich wirklich gern Auto und ich liebe es mir die Zeit durch lautes und extrem schiefes Singen zu vertreiben“

Am liebsten selbst hinterm Steuer. © privat
Heike: „Wovon hast du als Kind geträumt? Was wolltest du werden? Wo wolltest du leben? Und wie?“

Leonie: „Als Kind wollte ich immer auf einer Ranch leben, mit vielen Pferden und Büchern. Schon damals vorzugsweise in Montana. Nun ja, viele Bücher habe ich. Ich darf sogar selbst welche schreiben, eine Ranch ist unser kleiner Stall mit 4 Pferden nicht, aber immerhin habe ich einen Ponyhof, auf den ich mich flüchten kann, wenn das Leben mal keiner ist. Und Montana bleibt ja immer noch als geliebtes Reiseziel.“

und am strand

Noch ein Vierbeiner … © privat

Das Leben ist kein Ponyhof, aber ein Ponyhof bereichert das Leben. © privat

Heike: „Was sind die schönsten Orte, Räume oder Plätze, an denen du je gelesen, gegessen, geschlafen oder geschrieben hast?“

Leonie: „Ich würde sagen, während des Roadtrips in den USA. Da war jeder Platz traumhaft schön, aber die Eindrücke auch so vielfältig, dass man kaum selbst zum Schreiben kam. Wunderschön und ein Ort, an dem ich wunderbar zum Schreiben komme, ist die Nordseeküste.“

Lieblingsschreibort: Nordseeküste. © privat

Heike: „Vielen Dank, liebe Leonie Lastella, für deine spannenden und inspirierenden Antworten!“

Die Autorin

Leonie Lastella verbrachte als Teenager viele Ferien in Italien, und als sie dort auf den süßesten Typen der Welt traf, lernte sie ganz schnell Italienisch. Eine witzige Anekdote? Vielleicht. Aber eben auch das wahre Leben: Denn aus dem Sommerflirt wurde schließlich die große Liebe. Der attraktive Italiener kam mit nach Deutschland, heiratete sie und gab ihr seinen Nachnamen. Daher ist der Name Leonie Lastella auch kein Pseudonym.

Leonie Lastella liebt Ben&Jerry’s-Eis, ihre Söhne und ihr Pferd, außerdem lacht sie viel, laut und gerne. Von sich selbst sagt sie, sie sei der ungeduldigste Mensch auf dem Planeten.

Auch in Sachen Liebe.

Brausepulverherz

Interview mit Autorin Beate Rygiert

Interview mit Autorin Beate Rygiert

»Das Schreiben ist an keinen Ort gebunden, aber besonders schön ist es zum Rauschen des Meeres«

Ein Beitrag aus der Serie:

»Eine Autorin
ist auch nur ein Mensch«

Interviews mit Lieblingskolleginnen.

 

Natürlich ist das meiste, was wir schreiben, frei erfunden. Unser Privatleben hat damit nichts zu tun.
Eigentlich.

Aber zugleich sind Autorinnen immer auch Leserinnen, Rumreiserinnen, Spaziergängerinnen, Träumerinnen … Und vielleicht prägt das, was uns dabei verzaubert, unsere Geschichten doch viel mehr, als wir es ahnen?

Ich habe nachgefragt.

© Claudia Toman

© Claudia Toman

Heike: „Geschmack ändert sich permanent, und die Dinge, wir früher mochten, hatten irgendwann mal eine große Bedeutung für uns. Verrätst du, wie die erste Platte heißt, die du selbst gekauft hast? Welcher Film bei deinem ersten Kinobesuch lief? Und was dein allererstes Lieblingsbuch war? Was davon hat nachhaltigen Eindruck bei dir hinterlassen?“

Beate: „Meine erste Schallplatte (LP, wohlgemerkt, oh je, so alt bin ich schon) war bezeichnenderweise keine Musikplatte, sondern erzählte die Schatzinsel nach. Also ein Vorläufer eines Hörbuchs, könnte man sagen. Damals war ich acht Jahre alt und hörte sie rauf und runter, bis sie an mehreren Stellen hing und der Tonabnehmer sanft weitergeschubst werden musste. Dann beschlagnahmte ich Papas zweispuriges Tonbandgerät und machte selbst eine Aufnahme: Originellerweise hieß mein erstes Hörspiel (und auch mein letztes) ‚Abenteuer in der Südsee‘. Dazu planschte ich in Mamas Abspülschüssel mit dem Wasser und machte auf meiner Blockflöte unheimliche Vogelstimmengeräusche.

Mein erster Film war ‚Dschungelbuch‘, und das war ein unerhörtes Ereignis. Mein Papa kam nämlich eines Abends von der Arbeit und schlenkerte mit so graublauen Papierstreifen vor meiner Nase herum. Heute glaube ich, er hat die Karten von einem Kollegen geschenkt bekommen, denn bei uns ging man nicht ins Kino, vor allem nicht einfach so, ohne großes Tamtam und tagelanger Diskussionen meiner Eltern im Vorfeld, ob sich die Ausgabe denn lohnte. Und dann also ‚Dschungelbuch‘ und ich war drei Tage danach nicht mehr ansprechbar, so sehr hat mich alles fasziniert.

Vielleicht darf ich noch meinen ersten Theaterbesuch erwähnen? Der legte nämlich tatsächlich den Grundstein zu meiner ersten beruflichen Karriere, denn ich war, bevor ich schrieb, Theaterdramaturgin. Naja, und der erste Theaterbesuch war das Weihnachtsmärchen ‚Kalif Storch‘, noch eindrucksvoller aber war der anschließende Besuch hinter der Bühne und das Gespräch mit dem Hauptdarsteller. Danach stand fest: Ich gehe zum Theater.

Diese drei Ereignisse fanden alle während meiner Grundschulzeit statt und waren prägend. Gelesen habe ich dann, sobald ich Buchstaben entziffern konnte. Doch mein erstes Lieblingsbuch war einige Jahre später ‚Krabat‘ von Ortfried Preußler. Da war alles drin: Spannung, Magie und erste Liebe.“

Heike: „Als Autorinnen verbringen wir alle viel Arbeitszeit im Sitzen – ganz egal, ob wir den eigenen Schreibtisch bevorzugen oder das Laptop mit ins Café nehmen. Wie bringst du als Ausgleich ein bisschen Bewegung in dein Leben? Welche Sportart hast du als ‚deine‘ entdeckt? Und was magst du daran?“

Beate: „Ich mache jeden Morgen noch vor dem Frühstück einen ausgedehnten Spaziergang. Außerdem praktiziere ich Yoga und habe viele Jahre lang Tai Chi gemacht. Alles drei entspannt mich und verändert meinen Fokus: Die Bewegung in der Natur nach außen, Yoga und Tai Chi wendet meinen Fokus nach innen. Das alles tut mir gut.“

Heike: „Es gibt viele schöne Orte. In Städten, in Dörfern, mitten in der Natur. Aber nur an ganz bestimmten geht einem das Herz auf. Wie sieht der Ort aus, der so schön ist, dass du am liebsten weinen möchtest?“

Beate: „Zum Weinen hat mich noch kein Ort gebracht. Aber das Herz öffnet mir unberührte Natur. Deswegen lebe ich seit einigen Jahren mit meinem Mann im Schwarzwald und verbringe die Wintermonate am Meer. Ich liebe alte, wettererprobte Bäume, die geben mir immer ganz viel Kraft.“

Foto: Schreiben im Park. © privat
Heike: „Hin und wieder sind Autorinnen ja auch on Tour. Zum Beispiel zu Lesungen, zu Verlagsbesuchen oder zur Buchmesse. Wie reist du am liebsten? Fliegst du? Fährst du mit dem Auto? Nimmst du die Bahn? Und was magst du an dieser Art, unterwegs zu sein?“

Beate: „Ich reise gerne mit allen möglichen Verkehrsmitteln. Am angenehmsten finde ich das Reisen mit meinem eigenen Wagen oder mit dem Zug, weil da die Landschaft so schön an mir vorbeifliegt und auch meine Gedanken Flügel bekommen.“

Foto: In Syrien. © privat

Heike: „Wovon hast du als Kind geträumt? Was wolltest du werden? Wo wolltest du leben? Und wie?“

Beate: „Eigentlich – und das treibt mir tatsächlich immer wieder die Tränen in die Augen vor Glück – habe ich immer genau von dem geträumt, was ich jetzt tue: Bücher schreiben. Und so leben, wie ich es jetzt kann: Selbstbestimmt. Gemeinsam mit einem wunderbaren Mann, der dasselbe tut wie ich und deswegen auch unsere seltsamen Zwischenzustände kennt und versteht, in die wir Geschichtenerzähler nun mal immer wieder geraten.“

Foto: Beim Schreiben in Australien. © privat

Heike: „Was sind die schönsten Orte, Räume oder Plätze, an denen du je gelesen, gegessen, geschlafen oder geschrieben hast?“

Beate: „Am schönsten gelernt habe ich in Florenz (Studium der Italienischen Literatur) und in New York (Film Making). Am schönsten vorgelesen habe ich im Schloss der Prinzessin zu Sayn-Wittgenstein. Am schönsten geschlafen habe ich unter einem unfassbaren Sternenhimmel im australischen Outback. Am schönsten essen tue ich immer in guter Gesellschaft. Das Schreiben ist an keinen Ort gebunden, aber besonders schön ist es zum Rauschen des Meeres.“

Foto: Beate Rygiert als Regisseurin in New York. © privat

Das Buch

Beate Rygiert schreibt leidenschaftliche und spannende Bücher, in denen es um Liebe geht und um den Sinn des Lebens. Ihr aktueller Roman „Herzensräuber“ erzählt von einem spanischen Straßenhund, der bei seinem neuen Menschen, dem Antiquar Tobias aus Heidelberg, eine Menge zu tun bekommt: Tobias’ Buchantiquariat läuft nämlich nicht besonders gut, noch dazu hat er gerade eine schmerzliche Trennung hinter sich.

Wie sich herausstellt, hat Zola die Gabe, für jeden Menschen die richtigen Bücher zu finden – denn in jedem „Herzensräuber“ erschnuppert er die Gefühle, die die bisherigen Leser darin hinterlassen haben. So bringt er nicht nur Tobias’ Geschäft auf Vordermann, sondern nach und nach auch dessen chaotisches Liebesleben …

Buchseite des Verlags: randomhouse.de/Taschenbuch/Herzensraeuber…

Die Autorin

Beate Rygiert studierte in München und Florenz Theaterwissenschaft, Italienische Literatur und Musikwissenschaft und arbeitete nach ihrem Abschluss an verschiedenen deutschen Opernhäusern als Dramaturgin.

Seit vielen Jahren lebt sie freiberuflich als Schriftstellerin, Malerin und Filmemacherin. Ihre Arbeiten wurden mit wichtigen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Würth-Literaturpreis und dem Thomas-Strittmatter-Drehbuchpreis, außerdem erhielt sie zahlreiche internationale Stipendien. Sie veröffentlichte die Romane „Bronjas Erbe“, „Die Fälscherin“, „Der Nomade“, „Die Eroberung des Himmels“, „Perlen der Macht“ und „Das Lied von der unsterblichen Liebe“. Außerdem schreibt sie Biografien, internationale Bestseller wie z.B. „Als ich vom Himmel fiel“ mit Juliane Koepcke. Im März 2014 wurde ihr Dokumentarfilm „Amok in Winnenden – Das Leben danach“, eine Auftragsproduktion von 3Sat, ausgestrahlt.

Beate Rygiert lebt und arbeitet in Stuttgart und im Schwarzwald.

Foto: © privat

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