Seite auswählen

»Ich genieße es, dass ich auf dem Rücken des Pferdes absolut den Kopf frei bekomme.«

Ein Beitrag aus der Serie:

»Eine Autorin
ist auch nur ein Mensch«

Interviews mit Lieblingskolleginnen.

 

Natürlich ist das meiste, was wir schreiben, frei erfunden. Unser Privatleben hat damit nichts zu tun.
Eigentlich.

Aber zugleich sind Autorinnen immer auch Leserinnen, Rumreiserinnen, Spaziergängerinnen, Träumerinnen … Und vielleicht prägt das, was uns dabei verzaubert, unsere Geschichten doch viel mehr, als wir es ahnen?

Ich habe nachgefragt.

portrait © Gaby Gerster
Heike: „Geschmack ändert sich permanent, und die Dinge, wir früher mochten, hatten irgendwann mal eine große Bedeutung für uns. Verrätst du, wie die erste Platte heißt, die du selbst gekauft hast? Welcher Film bei deinem ersten Kinobesuch lief? Und was dein allererstes Lieblingsbuch war? Was davon hat nachhaltigen Eindruck bei dir hinterlassen?“

Leonie: „Da muss ich mal ganz tief graben. Das ist schon eine ganze Weile her. Die erste Platte war ‚Keep the Faith‘ von Bon Jovi und mein Musikgeschmack ist nach wie vor sehr rocklastig. Bei meinem ersten Kinobesuch habe ich ‚Bodyguard‘ gesehen. Auch wenn es mir damals noch nicht bewusst war, war Kevin Costner der erste Typ, den ich nicht gut aussehend, aber dennoch überaus attraktiv fand. Ich glaube, da habe ich das erste Mal gemerkt, dass es auf den Charakter ankommt und die Ausstrahlung und eben nicht nur auf den Sixpack oder das perfekte Gesicht.

Mein allererstes Lieblingsbuch war ‚Friedhof der Kuscheltiere‘, und das nicht, weil mich der Horror gethrillt, sondern weil mich Stephen Kings Fähigkeit, Emotionen wachzurufen, quasi überrollt hat. Bei der Szene, wo der kleine Junge stirbt und die Trauer des Vaters greifbar wird, habe ich geweint wie ein Schlosshund. Tatsächlich hat mich dieses Buch dazu gebracht, dass ich selbst schreiben wollte.“

Heike: „Als Autorinnen verbringen wir alle viel Arbeitszeit im Sitzen – ganz egal, ob wir den eigenen Schreibtisch bevorzugen oder das Laptop mit ins Café nehmen. Wie bringst du als Ausgleich ein bisschen Bewegung in dein Leben? Welche Sportart hast du als ‚deine‘ entdeckt? Und was magst du daran?“
leonie

Hoch zu Ross – gute Laune garantiert. © privat

Leonie: „Bei mir sind das zwei Dinge. Mögen tue ich das Reiten. Ich reite, seitdem ich drei Jahre alt bin, und ich genieße es, dass ich auf dem Rücken des Pferdes absolut den Kopf frei bekomme und es ganz verlässlich meine Laue repariert. Nicht im eigentlichen Sinne mögen tue ich das Laufen. Ich finde es wichtig als Ausgleich zum vielen Sitzen, aber während ich am Deich entlangrenne und puste wie eine Dampflokomotive, frage ich mich ständig, warum ich mir das gerade antue. Das Gefühl danach ist aber wieder ganz schön, wenn der innere Schweinehund überwunden wurde.“

Heike: „Es gibt viele schöne Orte. In Städten, in Dörfern, mitten in der Natur. Aber nur an ganz bestimmten geht einem das Herz auf. Wie sieht der Ort aus, der so schön ist, dass du am liebsten weinen möchtest?“

Leonie: „Ich würde sagen, dass ich derer drei Orte habe. Die raue Nordseeküste – ich bin ein Nordlicht tief aus dem Herzen heraus. Die ligurische Küste Norditalienes – dort liegen so viele Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend und an das Gefühl der ersten großen Liebe. Und zuletzt Montana – you never really loved until you came to Big Skys Montana. Ein Herzensort durch und durch.“

Heike: „Hin und wieder sind Autorinnen ja auch on Tour. Zum Beispiel zu Lesungen, zu Verlagsbesuchen oder zur Buchmesse. Wie reist du am liebsten? Fliegst du? Fährst du mit dem Auto? Nimmst du die Bahn? Und was magst du an dieser Art, unterwegs zu sein?“

Leonie: „Am liebsten fahre ich mit dem Auto. Das liegt einfach daran, dass mir bei allen anderen Arten zu reisen ständig Katastrophen passieren. Ich verpasse Flugzeuge, Züge werden ausgesetzt oder verspäten sich und ich werde ausgeraubt. Außerdem fahre ich wirklich gern Auto und ich liebe es mir die Zeit durch lautes und extrem schiefes Singen zu vertreiben“

Am liebsten selbst hinterm Steuer. © privat
Heike: „Wovon hast du als Kind geträumt? Was wolltest du werden? Wo wolltest du leben? Und wie?“

Leonie: „Als Kind wollte ich immer auf einer Ranch leben, mit vielen Pferden und Büchern. Schon damals vorzugsweise in Montana. Nun ja, viele Bücher habe ich. Ich darf sogar selbst welche schreiben, eine Ranch ist unser kleiner Stall mit 4 Pferden nicht, aber immerhin habe ich einen Ponyhof, auf den ich mich flüchten kann, wenn das Leben mal keiner ist. Und Montana bleibt ja immer noch als geliebtes Reiseziel.“

und am strand

Noch ein Vierbeiner … © privat

Das Leben ist kein Ponyhof, aber ein Ponyhof bereichert das Leben. © privat

Heike: „Was sind die schönsten Orte, Räume oder Plätze, an denen du je gelesen, gegessen, geschlafen oder geschrieben hast?“

Leonie: „Ich würde sagen, während des Roadtrips in den USA. Da war jeder Platz traumhaft schön, aber die Eindrücke auch so vielfältig, dass man kaum selbst zum Schreiben kam. Wunderschön und ein Ort, an dem ich wunderbar zum Schreiben komme, ist die Nordseeküste.“

Lieblingsschreibort: Nordseeküste. © privat

Heike: „Vielen Dank, liebe Leonie Lastella, für deine spannenden und inspirierenden Antworten!“

Die Autorin

Leonie Lastella verbrachte als Teenager viele Ferien in Italien, und als sie dort auf den süßesten Typen der Welt traf, lernte sie ganz schnell Italienisch. Eine witzige Anekdote? Vielleicht. Aber eben auch das wahre Leben: Denn aus dem Sommerflirt wurde schließlich die große Liebe. Der attraktive Italiener kam mit nach Deutschland, heiratete sie und gab ihr seinen Nachnamen. Daher ist der Name Leonie Lastella auch kein Pseudonym.

Leonie Lastella liebt Ben&Jerry’s-Eis, ihre Söhne und ihr Pferd, außerdem lacht sie viel, laut und gerne. Von sich selbst sagt sie, sie sei der ungeduldigste Mensch auf dem Planeten.

Auch in Sachen Liebe.

Brausepulverherz