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»Ich bin allgemein sehr anfällig für Rührung ob der Schönheit eines Ortes.«

Ein Beitrag aus der Serie:

»Eine Autorin
ist auch nur ein Mensch«

Interviews mit Lieblingskolleginnen.

Natürlich ist das meiste, was wir schreiben, frei erfunden. Unser Privatleben hat damit nichts zu tun.
Eigentlich.

Aber zugleich sind Autorinnen immer auch Leserinnen, Rumreiserinnen, Spaziergängerinnen, Träumerinnen … Und vielleicht prägt das, was uns dabei verzaubert, unsere Geschichten doch viel mehr, als wir es ahnen?

Ich habe nachgefragt.

Ursi Breidenbach. © privat

(c) privat

Heike: „Geschmack ändert sich permanent, und die Dinge, wir früher mochten, hatten irgendwann mal eine große Bedeutung für uns. Verrätst du, wie die erste Platte heißt, die du selbst gekauft hast? Welcher Film bei deinem ersten Kinobesuch lief? Und was dein allererstes Lieblingsbuch war? Was davon hat nachhaltigen Eindruck bei dir hinterlassen?“

Ursi: „Ich habe zwei ältere Schwestern, die meinen Geschmack in den frühen Jahren sehr geprägt haben. Was ihnen gefiel, erklärte ich automatisch zu meinen Vorlieben.

Mit dreizehn, vierzehn begann dann die Emanzipation. Ich gab Nachhilfestunden in Englisch, um mir einen HiFi-Turm leisten zu können. Eine der ersten CDs (an DIE erste erinnere ich mich nicht) – gekauft, ohne vorab die Schwestern zurate zu ziehen – war dann von REM.

Bei meinem ersten Kinobesuch (meine Schwestern mussten mich mitnehmen) habe ich ‚ET‘ gesehen. Das scheint keinen bleibenden Eindruck auf mich gemacht zu haben, denn ich bin keine Fantasy-Autorin geworden. 🙂

Mein allererstes Lieblingsbuch war ‚Moritz Huna Nasenriecher‘ von Mira Lobe. Die Geschichte über die Freundschaft eines Mädchens zum besonders riechbegabten Postboten Moritz Huna hat mich so beeindruckt, dass ich sie immer wieder gelesen habe. Um das zu verstehen, muss man wissen, dass ich selbst annähernd geruchsblind bin. Seit ich Autorin bin, denke ich darüber nach, einen Roman zu schreiben, in dem es um Gerüche und Geruchsblindheit geht. Zum absoluten Durchbruch bin ich mit meinen Überlegungen allerdings noch nicht gekommen.“

Heike: „Als Autorinnen verbringen wir alle viel Arbeitszeit im Sitzen – ganz egal, ob wir den eigenen Schreibtisch bevorzugen oder das Laptop mit ins Café nehmen. Wie bringst du als Ausgleich ein bisschen Bewegung in dein Leben? Welche Sportart hast du als ‚deine‘ entdeckt? Und was magst du daran?“

Ursi: „Ich habe ein Laufband in meinem Arbeitszimmer, das drei Mal in der Woche zum Einsatz kommt. Davor habe ich Walken und Schwimmen versucht, wobei der Enthusiasmus dafür jeweils nur ein Strohfeuer blieb.

Am Laufband liebe ich, dass ich nebenbei Serien anschauen kann. Zum Beispiel ‚Grand Hotel‘, eine Produktion aus Spanien, auf die du mich gebracht hast. Beim Anblick des schönen Julio vergesse ich, wie anstrengend der Sport gerade ist. 😉

Zusätzlich mache ich ein bis zwei Mal in der Woche ein Zirkeltraining mit Rückenübungen – nicht besonders lustig, aber bei Sitzberufen leider unumgänglich.“

Heike: „Es gibt viele schöne Orte. In Städten, in Dörfern, mitten in der Natur. Aber nur an ganz bestimmten geht einem das Herz auf. Wie sieht der Ort aus, der so schön ist, dass du am liebsten weinen möchtest?“

Ursi: „Den ‚ganz bestimmten` Ort, bei dessen Anblick ich weinen möchte, gibt es für mich nicht. Das sind nämlich total verschiedene Plätze – mal in der Natur, mal in einem Museum, wieder ein anderes Mal in einer Stadt. Ich bin allgemein sehr anfällig für Rührung ob der Schönheit eines Ortes.

Zuletzt ist es mir passiert, als ich weg vom grauen Februaralltag nach vielen Stunden Autofahrt bei Sonnenuntergang in Nizza am Strand ankam. Da dachte ich, ich müsse zu Boden sinken und heulen – so entrückend traumhaft war das.“

am strand

In Nizza am Strand. © privat

 

Heike: „Hin und wieder sind Autorinnen ja auch on Tour. Zum Beispiel zu Lesungen, zu Verlagsbesuchen oder zur Buchmesse. Wie reist du am liebsten? Fliegst du? Fährst du mit dem Auto? Nimmst du die Bahn? Und was magst du an dieser Art, unterwegs zu sein?“

Ursi: „Alle drei Möglichkeiten kommen vor. In entlegenere österreichische Orte bringt mich mein Auto, ansonsten fahre ich mit dem Zug. Weite Strecken nach Deutschland fliege ich.

Am liebsten ist mir dabei das Reisen mit der Bahn, weil ich da lesen oder arbeiten kann. Weniger sexy finde ich allerdings Verspätungen, außer Rand und Band geratene Klimaanlagen und bitteren Zugsespresso.“

Heike: „Wovon hast du als Kind geträumt? Was wolltest du werden? Wo wolltest du leben? Und wie?“

Ursi: „Am liebsten wollte ich Ballett-Tänzerin werden (ohne je eine Tanzstunde genommen zu haben) und wunderschöne Tutus tragen.“

Heike: „Was sind die schönsten Orte, Räume oder Plätze, an denen du je gelesen, gegessen, geschlafen oder geschrieben hast?“

Ursi: „Ich beschränke mich jetzt auf die Nennung dreier Orte, um hier den Rahmen nicht zu sprengen: das Hotel Miramar in Opatija, der Leopoldsteinersee in Eisenerz und meine Herzensstadt Wien.“

Heike: „Vielen Dank, liebe Ursi Breidenbach, für deine spannenden und inspirierenden Antworten! Und hier noch für meine Blogleserinnen und -leser ein kurzes Porträt von Ursi Breidenbach.“

Die Autorin

Ursi Breidenbach lebt in Österreich und München. Seit 2009 schreibt sie Romane und Kurzgeschichten, statt sich ihrem ursprünglichen Beruf als Kunsthistorikerin und Kulturmanagerin zu widmen.

Als Autorin arbeitet sie derzeit für den EdenBooks Verlag, Berlin, und für Penguin, München

Mehr über Ursi Breidenbach:

Foto: © privat