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»Vielleicht verschwinde ich heute beim Schreiben auch manchmal ein bisschen in den Wolken …«

Ein Beitrag aus der Serie:

»Eine Autorin
ist auch nur ein Mensch«

Interviews mit Lieblingskolleginnen.

Heute: Ulrike Hartmann

Natürlich ist das meiste, was wir schreiben, frei erfunden. Unser Privatleben hat damit nichts zu tun.
Eigentlich.

Aber zugleich sind Autorinnen immer auch Leserinnen, Rumreiserinnen, Spaziergängerinnen, Träumerinnen … Und vielleicht prägt das, was uns dabei verzaubert, unsere Geschichten doch viel mehr, als wir es ahnen?

 

Foto: Copyright Ruth Frobeen

Ich habe nachgefragt. Heute bei Ulrike Hartmann

Heike: „Geschmack ändert sich permanent, und die Dinge, wir früher mochten, hatten irgendwann mal eine große Bedeutung für uns. Verrätst du, wie die erste Platte heißt, die du selbst gekauft hast? Welcher Film bei deinem ersten Kinobesuch lief? Und was dein allererstes Lieblingsbuch war? Was davon hat nachhaltigen Eindruck bei dir hinterlassen?“

Ulrike: „Was für schöne Fragen, Heike, danke! Ich habe lange nicht mehr an diese ersten Male gedacht. Meine erste LP war tatsächlich eine von Reinhard Mey, „Bei Ilse und Willi auf´m Land“. Und mein erster Roman heißt ja „Liebe geht durch den Garten“. Ich frage mich gerade, ob sich hier die Kreise schließen. 🙂

Meys Texte – witzig, spitzfindig, und dann wieder melancholisch warm – habe ich sehr geliebt. Allerdings war meine nächste LP dann von Queen, und ich schmetterte unbekümmert die Bohemian Rhapsody. Mal schauen, ob sich das wieder in einem Roman spiegelt …

Der erste Kinobesuch mit 12 Jahren war leider peinlich. Meine Eltern hatten von einer Familie Besuch, und ihre zwölfjährige Tochter schleppte mich in einen Film namens „Herr Oberst haben eine Macke.“ Den Titel werde ich nie vergessen! Ich war so aufgeregt! Der dunkle Saal, rote Plüschsessel, knisterndes Popcorn – und dann barbusige Frauen im Schlamm und flache Witze von schwitzenden Männer in der Kaserne. Ich bin vor Scham im Sessel versunken, während meine Begleitung lustig vor sich hinkicherte. Vor allem über mich. Das war es dann erst einmal mit der Kinoliebe.

Was die Bücher angeht: Mein allererstes, heißgeliebtes Buch hatte ich, als ich noch gar nicht lesen konnte, und es steht immer noch wohlbehütet in meinem Regal: „Serafin und die Wundermaschine“ von Philippe Fix und Sabine Ibach. Serafin hatte unbändige Phantasie und war ein großer Bastler. Er lebte in einem selbstgebauten, wunderbar verrückten Traumhaus mit Türmchen und einem Glaskugelraum. Ein Eigenbrötler, der sich einfach nicht einpassen konnte. Am Ende verschwand er mit seinem Hamster auf einer Treppe in den Wolken …

Vielleicht verschwinde ich heute beim Schreiben auch manchmal ein bisschen in den Wolken, aber eine Eigenbrötlerin bin ich eigentlich nicht. Die Serafin-Bücher (es gibt drei Bände, der erste erschien 1967) wurden übrigens wieder neu aufgelegt. Darüber habe ich mich sehr gefreut.“

Heike: „Als Autorinnen verbringen wir alle viel Arbeitszeit im Sitzen – ganz egal, ob wir den eigenen Schreibtisch bevorzugen oder das Laptop mit ins Café nehmen. Wie bringst du als Ausgleich ein bisschen Bewegung in dein Leben? Welche Sportart hast du als ‚deine‘ entdeckt? Und was magst du daran?“

Ulrike: „Darf man Chorsingen als Sport angeben? Vermutlich nicht …

Nun gut, ich bin etwas eingerostet, aber theoretisch (und auch mal praktisch) laufe ich unglaublich gern, was ich mir als Teenager nie vorstellen konnte. Ich habe zwei Jahre in Kalifornien gelebt, und da hat mich das Joggingfieber erfasst. Laufen und Yoga, das ist eine gelungene Kombination, um beweglich zu bleiben, und die möchte ich gerne wieder aufleben lassen.

Beim Laufen an der frischen Luft, auch beim Spazierengehen, wird mein Kopf frei und oft kommen mir dabei die besten Ideen. Ich bin dabei gerne für mich, höre auf meinen Atem und bin dann ganz im Moment versunken. Das hat schon fast etwas Meditatives, wie die Arbeit im Garten.

Da fällt mir ein, darf ich Gartenarbeit als Sport nennen?“

Heike: „Es gibt viele schöne Orte. In Städten, in Dörfern, mitten in der Natur. Aber nur an ganz bestimmten geht einem das Herz auf. Wie sieht der Ort aus, der so schön ist, dass du am liebsten weinen möchtest?“

Ulrike: „Hm. Das ist eine schwierige Frage. Wie du sagst, es gibt so viele schöne Orte, ob gleich nebenan, am Meer, im Wald oder in der Bergen. Letzten Sommer war ich in Südtirol auf dem Meraner Höhenweg. Dieser Blick über die Berge, diese unfassbare Weite, das hat mich überwältigt und glücklich gemacht.

Aber eigentlich fahre ich am liebsten ans Meer, vor allem in die Bretagne oder nach Irland. Die raue Schönheit, das Spiel der Formen und Farben, das mag ich sehr.“

Heike: „Hin und wieder sind Autorinnen ja auch on Tour. Zum Beispiel zu Lesungen, zu Verlagsbesuchen oder zur Buchmesse. Wie reist du am liebsten? Fliegst du? Fährst du mit dem Auto? Nimmst du die Bahn? Und was magst du an dieser Art, unterwegs zu sein?“

Ulrike: „Ich fahre am liebsten mit der Bahn, weil ich mich da nicht um Parkplätze, Staus und merkwürdige Menschen auf der Überholspur kümmern muss. Zwar hat die Bahn ihre eigenen Herausforderungen (es bleibt immer wieder spannend, ob du deinen Anschlusszug kriegst), aber ich kann während der Fahrt träumen. Ich arbeite oder lese nie im Zug. Ich sitze einfach nur so rum.“

Heike: „Wovon hast du als Kind geträumt? Was wolltest du werden? Wo wolltest du leben? Und wie?“

Ulrike: „Ha, ich wollte Geheimagentin werden! Ich hatte als Achtjährige Spionage-Krimis aus der Reader´s-Digest-Reihe verschlungen, die mit goldfarbenen Bordüren verziert waren, las von diesen wunderschönen klugen Frauen und Männern, die geheimnisvoll von einem Land zum anderen reisten und ihr Leben für das Gute aufs Spiel setzten. Ich stellte mir vor, wie ich – natürlich ebenfalls wunderschön und klug – tollkühn und schnell die Welt retten würde. Ich sprang von Mauern, von Brücken und Türmen und eilte geschwind mit den Geheimdokumenten davon. Ich war ganz gefangen in meiner Phantasie. Im realen Leben habe ich leider gar kein Talent zur Geheimagentin. Das fängt schon damit an, dass ich schlecht lügen kann. Und so schön springen kann ich auch nicht.“

Heike: „Was sind die schönsten Orte, Räume oder Plätze, an denen du je gelesen, gegessen, geschlafen oder geschrieben hast?“

Ulrike: „In den USA gab es fantastische Jugendherbergen, direkt an Steilküsten oder an heißen Quellen. In Kalifornien habe ich unter Mammut-Bäumen gezeltet, in Frankreich als Aupair-Mädchen in einem Himmelbett eines alten Landschlösschens aus dem 16. Jahrhundert geschlafen, und in Schottland, Frankreich und Spanien lag ich nachts im Schlafsack am Strand. Das war einfach wunderbar. In Spanien leuchtete bei Vollmond das Meer durch eine besondere Algenart, und wenn du sacht durch das Wasser schwammst, warst du in glitzerndes grünes Licht getaucht.

Aber ehrlich gesagt brauche ich nicht weit zu fahren, um es schön zu finden. Ich bin auch glücklich, wenn ich im Garten ein gutes Buch lesen kann. Oder einfach mal nichts tue.“

Das Buch

 Liebe geht durch den Garten

Wenn das Leben dir einen Garten schenkt, frag nach Harke und Schaufel!

Mit den Händen in der Erde wühlen, die Sonne im Gesicht und als Belohnung eigenes Gemüse ernten: für Stadtpflanze Anna ein wundervoller Gedanke. Kurzerhand pachtet sie einen verwilderten Schrebergarten. Doch so idyllisch wie in Annas Träumen ist das Leben mit der Laube nicht.

Das Häuschen im Grünen ist reparaturbedürftig, der Vereinsvorsitzende gibt sich kleinlich, und ihre Söhne spielen lieber am Computer als im Garten. Nur der wortkarge und attraktive Nachbar Paul bietet seine Hilfe an. Wäre da nicht die Anwältin Dr. Sabine Rodenberg von nebenan, die Paul für sich beansprucht …

Der Kampf um den Garten und die Liebe beginnt!

Buchseite des Verlags: „Liebe geht durch den Garten“ im Diana Verlag

Die Autorin

Ulrike Hartmann, geboren 1966, Magistra Artium der Germanistik, Politologie und Soziologie, studierte in Münster, Berlin und an der Sorbonne in Paris.

Sie arbeitete in verschiedenen Verlagen, reiste mit dem Rucksack allein quer durch die USA und unterrichtete zwei Jahre als Interkulturelle Trainerin in Kalifornien.

Hartmann gelangte mit ihrem ersten Kurzkrimi unter die besten Einsendungen zum Agatha-Christie-Krimipreis 2010. Im gleichen Jahr wurde ihr humorvolles Sachbuch „Mutterschuldgefühl“ im Südwest Verlag veröffentlicht und sie startete für Brigitte-woman.de das Blog „Popcorn – Tagebuch eines Sensibelchens“, für das sie drei Jahre lang schrieb. 2014 gründete sie eine Schreibwerkstatt in Essen und gab bis Anfang 2018 zahlreiche Kurse zum Kreativen Schreiben.

Ihr Debütroman „Liebe geht durch den Garten“ erschien am 11. Februar 2019 im Diana Verlag.

Die Autorin lebt mit ihrer Familie im Ruhrgebiet und ist leidenschaftliche Kleingärtnerin.

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